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Weltkriege und Geschlechtskrankheiten
Rezension

Der Stoff, aus dem das Leben ist:
Weltkriege und Geschlechtskrankheiten

Ralf Julke | Internetzeitung Leipzig | www.l-iz.de
05.03.2011

Ob Vorabendprogramm, ob Frauenroman, ob Groschenheft: Der Markt ist geflutet mit Geschichten von steilen Aufstiegen von ganz unten bis hinauf in die bunte Welt der Reichen und Schönen. Doch wie es tatsächlich ist, wenn einer von ganz unten die Rückkehr in die Gesellschaft wagt, steht da nicht. Denn in Wirklichkeit ist es eine Ochsentour.

Einer, der weiß, was für eine Ochsentour das ist, ist der 1963 in Plauen geborene Uwe Stöß, der mittlerweile mit zwei Erzählungsbänden beim Leipziger fhl Verlag für Furore gesorgt hat. Oder zumindest das, was man in Leipzig für Furore halten kann. Denn der deutsche Buchmarkt ist längst zweigeteilt. Den Elefanten-Anteil hat ein halbes Dutzend großer Verlagskonglomerate besetzt, das nicht nur die Buchhandlungsketten dominiert, sondern auch das deutsche Feuilleton und damit auch die Preisvergaben, die Jahr für Jahr ein auserwähltes Klientel von Autoren mit Preisen beglücken.

Dass weitab davon in kleinen, jungen und kreativen Verlagen nach wie vor der größere Teil der Entdecker- und Entwicklungsarbeit für gute heimische Literatur geleistet wird, kann der Rezipient dieses Buchmarktes gar nicht wahrnehmen. Die Bücher, die hier entstehen, werden zumeist abseits der großen Ketten abgesetzt, tauchen selten in den Regalen der Buchhandlungen oder gar in Bestseller-Listen auf.

Dabei werden hier auch jene Themen anders und frischer angepackt, über die die professorale deutsche Hochliteratur nur mit Distanz und Vogelperspektive erzählt. Man vergisst beinah, dass die Mehrheit der Bewohner der Bundesrepublik nicht so lebt, wie es die diversen Fernsehserien vorgaukeln.


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